heute in "Eisen und Magie: Ewige Liebe" Ein Dieb wird zum Mörder

Merish ersticht einen langjährigen Geschäftspartner, der im Laufe der gemeinsamen Zeit beinahe zu einem Freund geworden ist. So sehr ist er von dem Verlangen erfüllt, die tote Königin zu finden und an ihrer Seite zu leben, dass er eine neue Stufe in seiner kriminellen Karriere betritt.

Wie es ihm ergeht könnt Ihr in diesem Kapitel erfahren. Viel Spaß mit dem neuen Kapitel aus "Eisen und Magie: Ewige Liebe"!


Eisen und Magie:


Ewige Liebe


von Peter H. Brendt

Das dumpfe Geräusch, mit er die Bronzeklinge in Kleahs Brust stieß, klang Merish noch in den Ohren. Zum ersten Mal tötete er einen Menschen. Es war so leicht. Verwundert bemerkte er, dass der Ratschlag eines Zechkumpanen aus der »Roten Schlange« in irgendeiner Ecke seines Kopfs offenbar einen dauerhaften Platz fand.

»Halte die Klinge beim Stoß immer quer. Besonders, wenn du auf den Brustkorb zielst. Dann findet sie mit Leichtigkeit ihren Weg durch den Rippenbogen, der das Herz schützt. Und dreh das Messer anschließend kurz im Handgelenk. Das vergrößert die Wunde und sorgt dafür, dass dein Kunde innerlich verblutet.«

Razher musste es wissen. Hatte er das Handwerk eines Straßenräubers doch in den Goldbergen gelernt. Bis ihn die Hartnäckigkeit eines herzoglichen Jagdtrupps und der Verlust des rechten Beins zwangen, seinen Lebensunterhalt als Bettler zu verdienen.

Worauf ihn der Ratschlag des alten Mörders nicht vorbereitete, war der erstaunte Gesichtsausdruck Kleahs. Dem Mann, mit dem er viele Jahre Geschäfte machte. Geschäfte, die zwar fast immer auf der dunklen Seite lagen, aber dennoch von allen Beteiligten ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Ehrlichkeit verlangten.

Oder rührte die Verwunderung im Gesicht des Sterbenden von dem grellen Schmerz in der Brust her. Dass der Brustkorb den seit Säuglingszeiten gesendeten Befehl, sich zu heben und zu senken, um den lebensnötigen Atem in die Lunge zu pressen, auf einmal verweigerte.

Merish roch noch den letzten kraftlosen Atemzug, den ihm Kleah ins Gesicht pustete. Fühlte die Schwere des Bronzemessers, als plötzlich das ganze Gewicht des Mannes auf ihm lastete, den er gerade ermordete.

Nur Sabahs Flüstern und Versprechungen in dunklen Träumen schafften es, ihn von der Erinnerung an den ersten Mord abzulenken. Der Dieb suchte im Beutel den Kasten mit den Aaskäfern. Gleich würde er wissen, ob Kleah seinen Teil des Handels eingehalten hatte.

Merish schüttelte ihn leicht und das leise Rascheln vieler Füße antwortete ihm. Zum Glück schienen die Käfer die Strapazen bis hierhin überlebt zu haben. Er brauchte alle sechs Exemplare. Sonst konnte er die Mauer vor sich nicht einreißen und Sabah befreien.

Das letzte Hindernis sah so aus, wie es seine tote Geliebte ihn in den Träumen beschrieb. Grob aufgebaute Steine, mit schmalen Fugen. Niemand wusste, dass dahinter die einst größte und mächtigste Königin der Welt begraben lag. Die Laterne warf ihr Licht auf eine Handvoll mit wenig Kunsthandwerk und Sorgfalt hergestellte Masken, die wie ein Relief aus dem Gestein herausragten. Sie stellten Harpyien dar, ein Motiv, dass man in den unterirdischen Gemäuern eines Tempels nicht erwartete. Hier, tief unter der Erde, wären die Köpfe grässlicher Würmer passender gewesen.

Aber die Magier, die Sabah hier einschlossen, besaßen eine besondere Beziehung zu den Flügelwesen und setzten sie als stumme Hüter des Grabes ein. Ein Glück, denn hier lag der Schlüssel, um den Bann zu brechen. Die Geschöpfe der Dunkelheit störte die Anwesenheit von Himmelswesen und sie warteten auf eine Gelegenheit, sie aus ihrer Welt zu verbannen. In tiefen Augenhöhlen schimmerte plötzlich Leben, als beobachteten sie wachsam jede seiner Bewegungen. Als ob die steinernen Wächter die Gefahr witterten, die er für ihre Aufgabe bedeutete.

Merish betrachtete sorgfältig die aufgerissenen Mäuler der Ungeheuer. Die scharfen Zähne wiesen nach innen, willens etwas, was sie einmal packten, nicht wieder herzugeben. Dort musste er gleich die Hände hineinlegen, um die Harpyien auszuschalten und den Zugang zu Sabahs Grab zu öffnen.

Das Wissen, dass ihn nur diese Mauer von der Geliebten trennte, ließ die Knie schwach werden. So nah bei der Frau zu sein, mit der er bald Macht, Reichtum und nicht zuletzt das Lager teilte, raubte ihm den Atem. Ihre im Traum geflüsterten Versprechungen, die Erzählungen von der Schönheit der verlorenen Stadt, über der sie in der Zukunft gemeinsam herrschen würden, beschäftigten ihn Tag und Nacht. Häufig vergaß er darüber Hunger und Durst.

»Sabah«, flüsterte er, als ob sie ihn durch die Steinmauer hören könnte, »bald sind wir vereint.» Dann verdrängte er jeden Gedanken an die Freuden, die auf ihn warteten, und lenkte alle Aufmerksamkeit auf die Aufgabe, die vor ihm lag.

Vorsichtig löste Merish den Riegel des Holzkastens mit den Aaskäfern. So wie die Harpyien für die Magie des Himmels standen, vertraten sie die Energie der Erde. Er plante, die magischen Kräfte gegeneinander auszuspielen. Rasch griff er in die Kiste und legte immer einen Käfer in das klaffende Maul eines Harpyienkopfs.

Jeder Krabbler verschwand wie von einer unsichtbaren Macht angezogen, sofort ins Innere des Steinkopfs.




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