Man macht seine Pläne ...
... und dann kommt das Leben dazwischen. Das gilt auch für die Fantasy-Serie "Eisen und Magie".
Beruf und andere Probleme (Josef halt die Ohren steif!) haben mich von der Arbeit am Blog abgehalten. Obwohl das sechste Kapitel bereits fertig war.
Dazu hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Dieses Kapitel sollte mal ein Multimedia-Kapitel werden. Und so stürzte ich mich in neue Programme und das Ergebnis findet Ihr hier. Und natürlich auf -youtube-.
Wie immer bei einer Premiere ging das nicht so reibungslos, wie erhofft. Das ein oder andere will ich verbessern, aber das Konzept sollte wirken.
Ihr findet daher das sechste Kapitel von "Eisen und Magie: Nordwind" hier als youtube-Video und natürlich wie gewohnt als Text.
Schreibt ruhig, wie es Euch gefällt.
Viel Spaß mit dem sechsten Kapitel von Eisen und Magie: Nordwind.
Eisen und Magie:
Nordwind
von Peter H. Brendt
Elo´tah kniete im Kreis der Elfen. Da sie es war, die den Rat einberief, verlangte das Protokoll, dass sie jedem Teilnehmer für sein Erscheinen dankte. In alten Zeiten bestand die Versammlung aus 21 Mitgliedern. Das Dutzend, dass nun im «Großen Zelt» wartete, repräsentierte seit vielen Jahren das komplette Volk der Lichtelfen in der Oase Bir Lesh. Nach der Spaltung des Elfenvolks sank die Anzahl so sehr, dass es bald ausstarb. Die wenigen Nachrichten, die sie vom Schicksal der Waldelfen erreichten, deuteten an, dass auch ihre Zahl sich stetig verkleinerte. Noch spärlicher tropften Informationen über die Dunkelelfen durch die Wüste. Sie lebten verborgen in der Unterwelt, feierten dort grausame Rituale und meuchelten einander in Jahrhunderte alten Familienzwisten und blutigen Intrigen.
Elo`tah verdrängte die Gedanken und konzentrierte ihre Aufmerksamkeit auf die Gesichter im Zelt. Jeder kannte die Umstände, die die Menschenfrau in die Oase führten. Aber die Aufgabe des Rats bestand jetzt darin, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Bedrohten die Ereignisse draußen die Existenz der Lichtelfen? Oder handelte es sich um Angelegenheiten, die allein die Menschen betrafen. Ein Volk, aus dass sie häufig herablassend herunterschauten. Tauchten sie doch erst auf, als der Abstieg der Elfen bereits vorbestimmt schien.
«Ich habe die Lieder durchsucht, ob es dort Hinweise auf Herkosh gibt, jedoch den Namen nirgends gefunden», begann sie. «Der Beschreibung nach, dürfte es sich um einen Jünger eines alten Feindes handeln. «Belphen der Schlächter hat uns ewige Feindschaft geschworen. Und er betrachtet das Menschenvolk als Sklaven. Diese Welt als sein Eigentum!»
Hok´ahh, führte als Oberster des Rats das zweite Wort. »Die Begabung, Dinge schweben zu lassen«, meinte er, »das passt zu den Fähigkeiten, die Belphen gern Anhängern verleiht. Dann dürften in den schweren Rüstungen Untote stecken. Beschworene Leichen, die dem Eisen und Stahl dunkles Leben verleihen. Sie gehörten immer zu seinen liebsten Spielzeugen.»
Jetzt besaß jeder im Rat die Erlaubnis zu sprechen. Aber erst, wenn der Ranghöhere erkennen ließ, dass er nicht beabsichtigte, weiterzusprechen. Es dauerte eine Weile, bis sich die verbliebenen zehn Elfen mit Blicken und Gesten verständigten, wer als Nächster das Wort ergreifen wollte..
Elo`Tahs Wiegennachbar Turkhe, die Jüngste im Rat ergriff die Gelegenheit, als ältere Mitglieder in einem stummen Kampf keine gemeinsame Entscheidung fanden, wem dieses Privileg zustand. «Der Kreisbogen, den die Menschen bauten», erzählte sie unter den missbilligenden Blicken der Übrigen, «besitzt Magie. Starke Magie. Gelingt es ihm, dort einen Stein mit dem eigenen Zeichen hineinzusetzen, wird er nach und nach die Gewalt über den Steinkreis übernehmen. Und anschließend die Kraft, die darin steckt, für seine Zwecke nutzen. Das ist der Grund für die Hilfe beim Transport. Verrat. Als der Priester Herkoshs Angebot ablehnte, hat er ihn lediglich aufgehalten. Aber Belphens Jünger wird alles tun, um den heiligen Ort der Steinmesser zu erobern.»
Jetzt durfte Elo`tah das Wort ergreifen, da sich der Kreis der Sprecher mit der Jüngsten wieder schloss und sie als diejenige, die den Rat einberief, erneut an der Reihe war. Sie bemerkte, dass die einzelnen Mitglieder untereinander giftige Blicke austauschten. Sie seufzte. Kein Wunder, dass die Zahl der Lichtelfen schwand. Wie lange mochte es früher gedauert haben, bis eine Entscheidung fiel, als es noch 21 Ratsmitglieder gab. Wie sollte ihr Volk so überleben?
***
Mirgha kauerte vor dem Zelt. Ungeduldig spielte sie mit dem Sand, ließ ihn durch die Finger rieseln und baute kleine Hügel aus den Sandkörnern. Sie wartete seit zwei Stunden vor dem Eingang auf das Ergebnis der Beratung. Aber bisher trat niemand aus dem Rat heraus und verkündete eine Entscheidung. Warum dauerte es so lange?
Unschlüssig beobachtete die junge Frau die Vorboten der Dämmerung, die sich am Horizont ankündigte. Es versprach eine dunkle Nacht zu werden, denn die Wolken wirkten düsterer als sonst. Dann erschrak Mirgha. Sie schaute nach Norden, nicht nach Westen. Nicht der Sonnenuntergang kündigte eine tiefe Finsternis an. Sie brauchte einen Moment, bis sie die wahre Natur der Schleier erkannte.
Ein Sandsturm von enormer Größe raste mit großer Geschwindigkeit in Richtung Oase. Die Dunkelheit reichte bis weit in den Himmel hinauf. Sie dachte an die Wesen aus Sand, die sie in der Wüste angriffen und unter die Oberfläche rissen. Noch immer schmerzten ihre Hand- und Fußgelenke und erinnerten an die unwiderstehliche Kraft, mit der ihre Angreifer sie gefangen nahmen.
Es blieb kaum Zeit, sie musste den Rat warnen. Die junge Frau zögerte. Die Autorität der Elfen und die Hochachtung, die ihr Clan ihnen entgegenbrachte, ließ es nicht zu, dass sie so eine heilige Institution ohne Erlaubnis unterbrach. Sie stand auf, um das Zelt zu betreten, doch ihre Beine weigerten sich.
Ihr Mut reichte nur, um bis an den Eingang zu gehen. Dort kniete sie hin und rief leise nach Elo`tah, der Frau, die sie in der Wüste rettete. Doch sie erhielt keine Antwort. Scheu kroch sie ein Stück weiter, warf einen Blick auf die Wolken am Horizont, die bedrohlich nahe kamen, und wiederholte ihren Ruf.
Erfolglos!
Mirgha nahm allen Mut zusammen und wagte es, den Vorhang zu öffnen, der das Geschehen im Zelt verbarg. Entsetzt beobachtete sie eine fürchterliche Szene.
Elfen, die sie nur als ruhige, besonnene und in sich ruhende Helfer kannte, schrien und stritten teilweise mit hochrotem Kopf untereinander.
«Wir haben keine Zeit, zu streiten!» Ihre neue Freundin Elo´tah versuchte, die Gemüter zu besänftigen. Sie sprach betont gelassen und so leise, dass ihre Worte die volle Aufmerksamkeit des Rats brauchten, um verstanden zu werden. Ihre Stimme schien im Kreis einen gewissen Wert zu besitzen, denn sie schaffte es wirklich, die Situation zu beruhigen.
»Warum störst du den Rat, kleines Menschenkind?« Elo`tah erkannte die Panik in den Augen der jungen Frau. Mirgha wies zum Horizont. Die bedrohlichen Wolken näherten sich mit wachsender Geschwindigkeit der Oase.
Jetzt erkannte auch die Elfin die Gefahr. Sie eilte zurück ins Zelt und löschte, ohne auf die zornigen Mienen der übrigen Ratsmitglieder zu achten, die große Öllampe, die in der Mitte des Rats brannte.
Dieses Zeichen beendete die Versammlung. Doch das Ritual durfte sonst nur am Ende eines einstimmigen Beschlusses stattfinden. Davon waren sie aber noch weit entfernt. Eine Partei lehnte jede Hilfe ab. Ihr Motto lautete, dass die Menschen sich selber helfen sollten. Eine etwa gleich große Gruppe wies auf ihren Status als Beschützer hin und forderte, sofort in den Konflikt einzugreifen. Beide Seiten protestierten lautstark über ihr eigenmächtiges Handeln.
Elo`tah wies zur Zeltdecke. Nur noch wenig Licht drang durch den Stoff. Das Erlöschen der Öllampe verstärkte den Effekt. Ihre Flamme verdrängte bisher die Dunkelheit, als sich die dunklen Staubwolken vor die untergehende Sonne schoben. Jetzt konnte jeder im Rat sehen, welche Bedrohung über der Oase lag.
Niemand achtete auf das auf den Knien wartende Menschenkind und lief in höchster Eile hinaus. Wie eine Wand hing die Staubwolke am Himmel. In ihrem Inneren prasselten unzählige Sandkörner gegeneinander. Das Knistern und Knirschen mischte sich mit dem Brausen des Sturms, einzelne Körner fanden bereits ihren Weg bis ans Zelt.
»Kein Lied erzählt von so einem Sandsturm!« Elo`tah musste brüllen, um sich verständlich zu machen. »Seid unbesorgt,« rief Hok´ahh. »Ihr wisst, dass eine magische Mauer, gewebt aus Liedern und Zaubersprüchen, die Oase vor jedem Angriff schützt.« Aber die Panik in seinen Augen zeigte, dass er die Bedrohung fürchtete.
Mirgha beobachtete gebannt, wie in den chaotischen Wirbeln und Schwaden der Staubwolke riesige Gesichter auftauchten. Sie reichten vom Boden, der vor lauter aufgewirbeltem Staub und Sand kaum noch zu erkennen war, bis zum Himmel.
Für einen kurzen Moment musterten grausame Augen die kleine Gruppe vor dem Zelt, bis sie wieder eins mit der Mauer aus Sandkörnern wurden. Sie suchte in den Erinnerungen und Erzählungen ihres Volkes. Doch keines beschrieb die Wesen, die nun immer häufiger auftauchten und wieder verschwanden.
»Sie erreichen die Grenze der Oase«, rief Hok´ahh. »Weiter kommen sie nicht!«
Mirgha starrte gebannt auf die Wand aus Sand. Sie hoffte, dass die Ankündigung des Elfen stimmte. Sie suchte den Punkt, an dem der magische Zauberbann seine Wirkung zeigen sollte. Aber der Sandsturm verringerte nicht einmal die Geschwindigkeit.
Ihre Vermutung bestätigte sich. »Bei allen Göttern schrie Hok´ahh gegen den Lärm des Sturms. »Er hat die Grenze überschritten!«
***

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