Auch mal über den Tellerrand gucken!!



Neues tut sich hier!!

Warum immer nur eigene Texte präsentieren? Die Palette von guten Texten ist so lang, dass vermutlich selbst das Internet nicht ausreicht, sie alle zu zeigen.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, regelmäßig auch andere Autoren aus dem Bereich Fantasy, Thriller und Horror vorzustellen.

Den Anfang macht heute:

J. J. Winter mit einem Auszug aus ihrem Roman

Was Du liebst lass frei - Liebesfluch der Vergangenheit



Hier nun der kleine Auszug. Ich wünsche euch viel Spaß.




Maria wartete noch geraume Zeit, nachdem Riccardos Schritte immer leiser geworden waren. Erst als sie annahm, dass er weit genug entfernt war, erhob sie sich geräuschlos und schlich in die entgegengesetzte Richtung. Fünf Minuten lang war sie vollkommen alleine. Kein Laut, der nicht des Nachts in den Wald gehörte, drang an ihr Ohr. Obwohl die Geräusche, die zu hören waren, sie auch nicht gerade fröhlich stimmten. Es raschelte an allen Ecken. Hie und da schrie ein Vogel auf oder stob aus dem Wald. Ein Eichhörnchen huschte von einem Baum zum nächsten. Beinahe hätte Maria einen Herzinfarkt erlitten und laut aufgeschrien. Fest schlug sie sich beide Hände vor den Mund, um ihren Schrei zu ersticken.

***

Dann war es so weit. Dumpfe Schritte von hinten. Riccardo hatte sie aufgespürt. Schon erklang seine Stimme: „Maria, Schätzchen, wo bist du? Sei ein braves Mädchen und komm her. Du hast doch keine Ahnung, wo du hinläufst. Hier drinnen ist es stockfinster, und du bist kilometerweit von der Straße und den nächsten Häusern entfernt. Du wirst erfrieren. Komm her zu mir. Ich verspreche dir auch, ganz lieb zu dir zu sein. Besonders lieb und zärtlich. Komm schon. Ich leih dir auch meine Jacke. Du musst ja schon ganz durchgefroren sein.“ Der Ton, in dem er sprach, verhöhnte sie geradezu und strafte jedes seiner Worte Lügen. Maria beeilte sich, leise, aber schnellen Schrittes den Abstand zwischen ihnen zu vergrößern. Aber Riccardo war in diesen Wäldern zu Hause. Es war sein Jagdrevier, das sie hier durchstreiften. Er kannte jeden Baum, jede Möglichkeit, sich irgendwo zu verstecken, und steuerte jeden Ort zielsicher an.

In der Ferne hörte Maria das sanfte Rauschen eines Baches. Er musste noch ein gutes Stück entfernt sein, sonst wäre es sicher lauter gewesen. Es konnte aber auch sein, dass er sehr klein und schwach gefüllt war, dachte sie noch. Ihr Herz hämmerte wie verrückt, und das Blut, das durch den Adrenalinstoß in rasantem Tempo durch ihre Adern schoss, belegte ihre Ohren mit einem allumfassenden Rauschen, sodass es ihr nicht möglich war, genau einzuordnen, ob sie es mit einem Fluss oder nur einem kleinen Bächlein zu tun hatte. Ein Ast knackste. Riccardo musste versehentlich darauf getreten sein. Er war um einiges näher, als Maria angenommen hatte. Viel näher, wie sie gleich feststellen musste.

„Da bist du ja, mein Schatz!“, erklang es unheilvoll in der Dunkelheit.

***

Maria sprintete los, sprang über einen abgebrochenen Ast, stürmte um eine große Eiche herum und wollte … Ja, sie wollte rennen wie der Blitz. Dazu kam es aber nicht mehr. Der Boden unter ihren Füßen gab nach, und schon rutschte sie mit dem linken Bein weg. Auf den Knien versuchte sie noch, Halt zu finden, aber das gelang ihr nicht mehr. Nun war es sowieso egal. Er hatte sie aufgespürt, und sie befand sich auf dem Weg nach unten. Das Rauschen wurde lauter – Also doch ein kleiner Bach, dachte sie noch, als sie sich drehte und kopfüber in die Dunkelheit fiel. Ohne zu wissen, wohin sie stürzte, wie weit es nach unten ging, und vor allem, was sie dort erwartete, entfuhr Maria ein lauter Schrei.

Schon kam sie mit Kopf und Schulter auf, überschlug sich zweimal, stieß unterhalb der Rippe gegen etwas Scharfkantiges, was ihr erneut einen schmerzverzehrten Schrei entlockte. Noch einmal drehte sie sich und das Geräusch brechender Knochen erfüllte die Stille. Dann war es vorbei. Lang ausgestreckt blieb Maria liegen. Kälte kroch in ihr hoch, als das eiskalte Wasser ihren Körper umhüllte. Es war wirklich nur ein kleiner Bach, dennoch ausreichend, um zu ertrinken, sollte sie ohnmächtig werden. Nur von dem Gedanken getrieben, den Kopf unbedingt aus dem Wasser zu bekommen, zog sich Maria mit letzter Kraft an den Rand, drehte sich auf den Rücken und bettete ihren Kopf auf Laub und Steine, die den Bach umgaben. Schon griff die Dunkelheit nach ihr, aber nicht jene, die vom Wald und der Nacht ausging.

***

Riccardo hatte den Schrei gehört, auch das Aufschlagen eines Körpers. Er kannte den Wald gut, auch das kleine Bächlein. Als etwas ins Wasser platschte, wusste er genau, was geschehen sein musste. Vorsichtig stieg er an einer etwas entfernten Stelle nach unten. Niemand sollte die zweite Spur bemerken und daraus Rückschlüsse auf seine Anwesenheit ziehen. Da lag sie. Halb im Wasser, bewusstlos und am ganzen Körper von unzähligen Schrammen und tiefen Kratzern gezeichnet. Unterhalb des rechten Rippenbogens hatte sich die Bluse stark rot verfärbt. Interessiert besah er die tiefe Wunde. Sie musste bei ihrem Sturz in einen abgebrochenen Ast gefallen sein, der sich tief in ihren Leib gebohrt hatte und darin stecken geblieben war. Mit Sicherheit hatte sie schwere innere Verletzungen. Der Stock verhinderte allerdings, dass sie zu schnell zu viel Blut verlor. Sie war vollkommen durchnässt und stark unterkühlt. Wenn sie nicht innerhalb der nächsten Stunden ärztliche Hilfe erhielt, würde sie sterben. Wenn er sie allerdings ins Krankenhaus brachte, und sie dort erzählte, wie es zu den schweren Verletzungen gekommen war, würde man ihn wegen Nötigung oder versuchter Vergewaltigung anklagen. Auch hätte die Gefahr bestanden, dass sich noch ein oder zwei andere Mädchen ermutigt fühlten und sich der Klage anschlossen. Dieses Risiko konnte er nicht eingehen. Dennoch brachte er es nicht übers Herz, sie im Wasser liegen zu lassen. Vorsichtig zog er Maria ein Stück vom Bach weg und kniete neben ihr nieder. Langsam streichelte er über ihr Gesicht und flüsterte: „Tut mir leid, Maria. Ich hatte dich wirklich gerne. Ich hätte mir sogar vorstellen können, ein wenig mehr Zeit mit dir zu verbringen. Aber du hast deine Entscheidung getroffen, und nun muss ich meine treffen. Ich bin nicht bereit, ins Gefängnis zu gehen. Leb wohl.“


Damit erhob er sich und ließ sie im Dunkel der Nacht zurück."



Ich hoffe, der Text hat euch Appetit auf mehr gemacht.

Noch mehr Einblick erhaltet Ihr in dem Video-Trailer zu dem Roman.







Und natürlich bei Amazon!

Der nächste Autor steht ebenfalls in den Startlöchern. Er stellt euch eine Kurzgeschichte aus dem Bereich Horror vor. Morgen geht es weiter mit dem nächsten Kapitel aus "Peter Lance: Die Fuchsmaske".

Bis dahin.


Kommentare

  1. Lieber Peter,
    ganz lieben Dank für die Präsentation meines Debütromanes hier auf deiner Seite.
    Es ist wirklich super geworden.
    Ganz liebe Grüße
    Jessica

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