Finale in Thumberg!!

Finale. Wie oft stand in diesem Blog schon dieses Wort. Immer bedeutete es das Ende einer Geschichte. Mal mehr, mal weniger lang. Jedesmal musste ich mich von ein paar Freunden verabschieden. Sie tauchen dann in meinen Mußestunden auf und verlangen wieder zum Leben erweckt zu werden. Hillgrimm, Sheen und einige andere mehr. Sogar Peter Lance besteht auf eine Fortsetzung seines Abenteuers mit dem unheimlichen Besitzer der Fuchsmaske.

Sie piesacken mich, erzählen von neuen Abenteuern, die sie erlebt haben, so dass mir die Ideen und die Plots nicht ausgehen. So kommt es, dass "Schreibblockade" für mich ein Fremdwort ist. Allein die Sache mit der Zeit macht so ihre Probleme. So bleibt am Tag nicht genug, um allen Helden aus meinem Universum an Geschichten gerecht zu werden.

In diesem Fall gibt es allerdings ein baldiges Wiedersehen. In der nächsten Woche beginnt, wie stets kostenlos eine neue Folge von Episoden. Wieder aus Thumberg und erneut mir Pan Mochtgehrn und Master Leym. Der Titel lautet: "Thumberg: Der alte Gladiator".

Mit etwas Glück könnt ihr an anderer Stelle einen alten Bekannten treffen. Hillgrimms erster Abenteuer, die Suche nach dem legendären Elfenhorn, erscheint neu und kostenlos im Internet. Mehr in der nächsten Woche.

Ihr seid alle herzlich eingeladen!

Und nun viel Spaß mit dem letzten Kapitel aus "Thumberg: Der Ghoulkönig!

Das letzte Kapitel verpasst? Ihr findet es hier.


Beim Einschlag zersplitterte der Stein in viele Einzelteile. Ob es an seinem Alter oder dem brennenden Öl lag, das die Struktur des Geschosses veränderte, würden sie nie erfahren. Die abgesprungenen Teile zerstreuten sich in der Umgebung. Einzelne flogen bis zum Friedhof, aber andere schleuderte die Wucht des Aufpralls auf ihr Ziel, dem Lagerhaus.

Heißes, flammendes Öl verteilte sich über das Dach, Splitter durchschlugen die Wand. Dem Lärm nach richteten sie im Inneren eine Menge Zerstörung an. Bis zu ihnen dröhnte das Geräusch berstender Mauern und zusammenbrechender Regale.

Zu ihrer großen Erleichterung drang schnell Rauch aus den Öffnungen, die das Geschoss im Mauerwerk geschlagen hatte. Das Öl tat auch dort sein Werk.

Bald vereinigten sich die kleinen Feuernester auf den Dachschindeln zu einem sehenswerten Feuer, der Qualm wurde immer dichter. Von ihrem Standpunkt erkannten die Beamten zwei Männer, die hastig das Lagerhaus verließen. Schmuggler, die wohl zur Bewachung zurückgelassen waren. Die Ganoven versuchten mit Hilfe einer Reihe Eimer, die sie am Ufer füllten, den Brand einzudämmen. Aber es war zu spät.

Nach nur wenigen Minuten stand das Schmugglernest in Flammen.

"Gibt es nicht Vorschriften über das ordnungsgemäße Lagern von feuergefährlichen Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Branntwein", wollte Master Leym von seinem Freund wissen.

"Gute Idee", antwortete Mochtgehrn. "Gleich heute früh werde ich sie De Koffel vorschlagen. Das gibt mir eine ausgezeichnete Handhabe, um mich in den Lagerhäusern Thumbergs einmal umzusehen. Für dieses Schnapslager jedoch kommt es wohl zu spät."

Das Brausen des Feuers wuchs an, diesen Brand würde niemand löschen können und das Haus bis auf die Grundmauern abbrennen. Da verging der Branntweinvorrat etlicher Wochen in einem gewaltigen Feuermeer. Gut, dass es so weit von der Stadtmauer entfernt lag. Sonst hätte man sich mehr Sorgen um die Stadt machen müssen.

Aber irgendetwas irritierte Pan. Da war neben dem Geräusch der Flammen ein neuer, einen Alarm in seinem Kopf auslösender Ton. Er klang fremd, ungewohnt, doch er erinnerte ihn an etwas aus der jüngsten Vergangenheit.

Es dauerte eine Weile, dann fand er die Ursache. Das Katapult erzitterte, in seinem Inneren zerbrachen Metallteile, an der einen oder anderen Stelle der hölzernen Seitenwand, die die Mechanik schützte, durchstießen plötzlich die Enden spitzer Zahnräder und Stangen durch die Außenhaut.

Es gab keinen Zweifel, es handelte sich um das Geräusch einer bevorstehenden Explosion. Ihr letzter Wurf hatte die schlecht gepflegte Wurfmaschine zu sehr beansprucht, das Ding würde jeden Moment auseinander bersten. Er machte sich keinerlei Illusionen, was die herumfliegenden Teile mit ihnen anstellten. Für eine Flucht fehlte den Freunden die Zeit.

Pan Mochtgehrn verabschiedete sich mit einem Blick von Master Leym. Der zog resignierend die Schultern hoch. Es schien, als ob sie am Ende doch das Glück verlassen hatte.

***

Litwolff bewachte, versorgte und bediente im „Roten Pony“ seit etlichen Jahren. Zu seinen Fähigkeiten gehörte es, die Schenke so weit wie möglich von jedem erdenklichen Problem fernzuhalten. So einen Zeitraum hielt man nur durch, wenn ein Wirt sich einigen ungeschriebenen Regeln unterwarf und geflissentlich einhielt.

Beispielsweise: „Wer betrunken ist, hat genug. Der kriegt nichts mehr. Bringt allen Beteiligten nur Ärger!“

Und „Wer keinen Kredit mehr hat, der kriegt nichts mehr. Bringt allen Beteiligten nur Ärger!“

Genauso stand da: “Kein Branntwein vor dem zweiten Horn. Bringt allen ...“ Und so weiter.

Master Leyms Kredit war längst aufgebraucht. Der seines Begleiters Pan Mochtgehrn unbestimmt. Voll wie eine komplette Steuerbordwache waren die beiden Beamten auch. Und bis zum zweiten Horn dauerte es noch eine Weile.

Doch die Herzlichkeit der Zwei, die sie im Umgang miteinander an den Tag legten, rührte eine verborgene Saite in Littwolffs Inneren. Da feierten frischgebackene Freunde einen Sieg mit einer solchen ehrlichen Ausgelassenheit, dass sie um ein Haar seinen Neid weckten.

So unterdrückte er die leisen Zweifel. Um Ärger mit dem Wirt der Schenke zu vermeiden, sorgte er dafür, dass er alleine die beiden Gäste bediente. Zur Sicherheit verdünnte er ihre Becher Branntwein zur Hälfte mit Wasser (etwas, was im „Roten Pony“ sonst streng verpönt war) und schrieb zum Ausgleich nur jede zweite Runde auf. Und das blöde Horn hatte er vermutlich überhört.

Zu Kompensation der Verletzung alter und bewährter Regeln machte er die Ohren lang und versuchte, soviel wie möglich von dem Gespräch der Beamten mitzuhören. Der Wert von Informationen durfte in Thumberg nicht unterschätzt werden. Und diese Beiden hatten was zu erzählen!

Pan Mochtgehrn gluckste vor Aufregung. „Bei den Göttern. Gut, dass noch da die Munitionskisten standen!“

„Und das jeder in eine von den Dingern hineinpasste“, ergänzte Master Leym.

„Stimmt. Zweimal haben sie uns die Haut gerettet.“

„Einmal konnten wir uns darin vor den Ghoulen verstecken ...“

„ ... und beim zweiten Mal beschützten sie uns vor der Explossisision von dem Wurfdingens.“

„Du meinst Explosion.“

„Nein, ich meine Katapult!“

„Dachte ich es mir doch. Katapult. So hieß es mal.“

„Genau. Jetzt heißt es nur noch Kleinholz.“

„Genau wie das Lagerhaus. Das heißt jetzt Brandhaus.“

„Brandhaus? Du meinst Feuerhaus.“

„Nein, nein, nein. Feuer ist aus. Nur noch Asche.“

„Einverstanden. Aschehaus. Wie schön Branntwein doch brennt.“

„Satter Volltreffer. Krach. Bumm und Wusch. Was für ein Schauspiel.“

Litwolff ahnte, wovon seine Gäste sprachen. Hauptmann Volkenstein tobte, da jemand das alte Katapult an der Südmauer zerstörte. Gerüchte erzählten von einem Gemetzel zwischen zwei Schmugglerbanden. Die eine Bande hatte das Lagerhaus, in dem Theo Dickbacke eine erhebliche Menge unversteuerten Branntwein lagerte, in Brand gesetzt. Irgendwie benutzten sie dabei die Steinschleuder, die die Hafeneinfahrt bewachte. Das uralte Ding schien den ersten Einsatz seit Urzeiten nicht überstanden zu haben und zerbarst mit einem ungeheurem Krachen in tausend Einzelteile. Die Explosion schleuderte Splitter mit so großer Wucht, dass die Zahl der Risse und Lücken in der Südmauer merklich anwuchs.

Offenbar waren die beiden Beamten Zeuge des Brands und der Zerstörung des Katapults geworden. Er erinnerte sich daran, dass Pan Mochtgehrn die Verantwortung für die Belange der Stadtmauer im Süden besaß. Gut möglich, dass er im Rahmen seiner Aufgaben auf der Mauer arbeitete, als die Katastrophe geschah. Ihn irritierte allerdings die Erwähnung der Munitionskisten. Da standen keine Kisten. Steckte da mehr dahinter, als er wusste?

Master Leym hob vier Finger hoch und lallte: „Drei Probleme mit einem Schlag. Katapult. Krach. Bumm. Weg.“ Er beugte den Zeigefinger.

Pan Mochtgehrn ahmte die Geste nach. „Nummer zwei. Lagerhaus. Illegal. Ganz böses Ding. Krach. Wusch. Weggebrannt. Linien wieder in Ordnung. Alter Vertrag ungebrochen.“ Er versenkte den Mittelfinger.

„Drittens. Ghoule.“

„Leichenfresser. Widerliche Viecher. Wieder zurück. Husch, husch ins Körbchen.“

„Brave Ghoule. Alles erledigt!“ Master Leym beugte den Ringfinger und betrachtete verwundert den kleinen Finger, den er noch gestreckt hielt.

„Braver Master Leym“, antwortete Pan Mochtgehrn und zeigte auf seinen Freund.

„Braver Pan Mochtgehrn“ erklang die Antwort von der anderen Seite des Tisches,

„Bleibt ein Problem.“

„Die Erdbeeren. In den Mauerritzen.“

„Nein, finden wir eine Lösung. Schaffen wir. Viel größer!“

„Melonen?“

„Melonen. Hast Du Melonen bestellt?“

„Wie käme ich dazu. Apropos. Bestellt. Die Rechnung.“

„Sag ich doch. Kannst Du zahlen?“

„Ich denke, mein Kredit ist im „Roten Pony“ aufgebraucht.“

Pan lachte glucksend. „Gratulieren, Ich hatte nie einen!“

„Münzen sind gerade auf Urlaub“, fasste Master Leym nach einer kurzen Suche in seinen Taschen traurig zusammen.

„Wir werden verhandeln, keine Frage. Wir haben einen toten Ghoulkönig beschworen und besiegt“, zählte Mochtgehrn auf.

„Die Leichenfresser auf ihr Gebiet zurückgescheucht“ ergänzte Master Leym.

„Dem Angriff einer ganzen Bande Schmuggler widerstanden.

„Das illegale Lagerhaus vernichtet.“

„Das Streitobjekt Katapult ist weg.“

„Seine Explosion unbeschädigt überstanden.

Im Duett klang das Ergebnis wie eine Hymne durch das „Rote Pony“: "Fähige Beamte wie wir, schaffen so eine lächerliche Rechnung.“

So kam es dann auch. Dank Littwolff und einigen neuen Abenteuern. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

***






Kommentare

  1. Diese kleine Feier haben sich die Beiden redlich verdient..
    Wer hätte gedacht, dass die Beseitigung der Ghoulgefahr soviele positive Nebeneffekte hat ?
    Und sobald die Südmauer wackelig genug ist und ersetzt werden muss.. wird sich das auch mit den Erdbeeren erledigen.

    Schön, dass Littwolff gegen Ende der Geschichte nochmal einen Auftritt hat.. Er ist so ein Netter.. Jetzt erinnert man sich wieder besser an ihn.


    Es war ein schönes Buch.
    Spannend, humorvoll, gespickt mit Informationen, die einem die Stadt Thumberg noch ein wenig besser beschreiben.
    Man darf nicht vergessen, je mehr Bilder man sich von den Plätzen dort schaffen kann, desto lebendiger wird die Welt, in die man eintaucht.
    Mit Pan Mochtgern ist ein schöner Charakter erschaffen worden, dem man seine Stadt fast gerne anvertrauen würde. Er ist gereift.. vom Bürschchen zum Mann, der nicht mehr zögerlich zu sein scheint, wenn man ihm ein Problem vorlegt.
    Zumindest gewinnt man den Eindruck, wenn man ihn so feiern "sieht".

    Dieses Buch "passt"..
    Im E&M-Universum gibt es einige Schauplätze, die man bereits kennengelernt hat und so manches Mal waren Zwerge, Elfen und andere Wesen im Spiel.
    So lieb, wie man die Zwerge gewinnen möchte, so edel die Elfen auch zu scheinen mögen.. Sie fehlen nicht..
    Man kommt mit diesen zwei Männern aus, die sich finden, ihre Verbundenheit entdecken und handeln.. Es ist egal, ob Mensch, Zwerg oder Elfe..
    Die Geschichte trägt sich alleine..
    Gäbe es Sterne zu vergeben, es gäbe von mir die volle Punktzahl..
    Danke für dieses Buch

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